LETS
Aus Tauschwiki
Das Local Exchange Trading System (LETS, LET-System) ist ein Tauschring-Modell, das in den 1980ern von Michael Linton entwickelt wurde.
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Geschichte
Das erste LETS wurde 1983 in Canadas Comox Valley entwickelt, wo es nach ein paar Jahren aber wieder einschlief. Seite Ende der 1980er haben sich zahlreiche LETS in Nordamerika, Australien und Neuseeland gegründet. Seit Anfang der 1990er auch in Großbritannien.
Drei Grundüberlegungen
Gemeinschaft
LETS basiert auf einer begrenzten Gemeinschaft von Menschen, die beschlossen haben, an dem System teilzunehmen. Niemand hat ein Eigentumsrecht an dieser Gemeinschaft (im Gegensatz etwa zu einer Firma).
Persönliches Geld (personal money)
Jedes Mitglied hat ein Konto, das mit Kontostand Null eröffnet wird und einen positiven oder negativen Kontostand haben kann. Konten mit negativem Kontostand haben das Geld geschaffen, das auf den positiven Konten anzutreffen ist. Dieses Geld wird von den Mitglieder selbst erzeugt, ist also persönliches Geld.
Dieses Geld ist ein Leistungsversprechen des einzelnen Mitglieds gegenüber den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft. Es kann nur freiwillig gegeben werden. Keine dritte Partei darf Einfluss auf diese Geld nehmen.
Das Geld kann das System nicht verlassen.
Praxisnähe
LETS versteht sich eher als Ergänzung, denn als Alternative zum allgemeinen Wirtschaftssystem. Im Gegensatz zu Zeittauschringen orientiert sich der Wert Verrechnungseinheit an der Landeswährung. Dennoch werden sich innerhalb des LETS andere Preise herausbilden als auf dem Markt der Landeswährung.
Fünf Merkmale eines LETS
Nur Tauschringe, die sich an diese fünf Merkmale halten, können sich als "LETS"-Tauschring nach Michael Linton bezeichnen.
Betriebskosten (cost of service)
LETS wurde so entworfen, dass es günstig und nachhaltig betrieben werden kann. Ein LETS sollte professionell geführt werden, um in der Konkurrenz gegenüber anderen, vielleicht weniger ethischen, Systemen bestehen zu können.
Die Verwaltungsarbeit sollte durch die lokale Währung angemessen vergütet werden. Reine Freiwilligenarbeit fördert keinen professionellen Ansatz und ist kaum langfristig durchzuhalten.
Die Betriebskosten schließen Vergünstigungen oder Gewinnerzielung für die Systemverwaltung aus.
Freiwilligkeit (consent)
Alle Aktivitäten innerhalb des LETS basieren auf Freiwilligkeit und Einverständnis. Mit dem Beitritt zum LETS erklären alle Mitglieder freiwillig ihr Einverständnis mit verschiedenen Grundregeln, insbesondere:
- Jedes Mitglied darf gegenüber der Gemeinschaft Leistungsversprechen eingehen
- Jedes Mitglied darf wählen, ob es etwas tut oder nicht. Es gibt keine Verpflichtung zu tauschen. Es gibt keine Verpflichtung, einem LETS beizutreten.
Das Freiwilligkeitsprinzip im Umgang mit dem persönlichen Geld bedeutet auch, dass
- jede Abbuchung von einem persönlichen Konto nur mit Zustimmung des Kontoinhabers erfordern darf.
- die Verwaltung kein Geld vom Systemkonto als Startguthaben auf ein neu eröffnetes Mitgliederkonto überweisen darf.
- die Verwaltung mit dem Systemkonto keine Leistungsversprechen eingehen darf.
Offenlegung (disclosure)
Die Offenlegung von wesentlichen Informationen ist notwendig, damit die Mitglieder Einfluss über ihren Tauschring ausüben können. Vor allem müssen die Mitglieder ihrem Tauschring vertrauen können. Die Möglichkeit, den Kontostand und den Tauschumsatz aller anderen Mitglieder einsehen zu können ist sowohl notwendig als auch hinreichend für eine Selbstregulierung des Systems durch die Mitglieder.
Der Kontostand zeigt die eingegangen Leistungsversprechen des Mitglieds. Der Gesamtumsatz das Ausmaß seiner Beteiligung am System.
Gleichwertigkeit (equivalence)
Die Verrechnungseinheit hat den gleichen Wert wie die Landeswährung, um sich besser in die restliche Wirtschaft zu integrieren.
Zinslosigkeit
LETS-Geld existiert nur, um den Tausch zu ermöglichen. Es entsteht durch Leistungsversprechen der Mitglieder zueinander. Es sollte nicht belohnt werden, das Geld zu horten oder es als Ware zu betrachten.
Beim LETS gibt es keine Zinsen, weder auf positive noch auf negative Kontostände. Es gibt auch keine negativen Zinsen wie bei der Umlaufsicherungsgebühr.
Literatur
- Michael Linton, Angus Soutar: The LETSystem Design Manual. 1994 (online, englisch)
Weblinks
- LETSystem - the Home Page (englisch)