Aufbewahrungsgebühr
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Die Aufbewahrungsgebühr (auch: Demurrage, Nutzungsgebühr, Bereitstellungsgebühr, Standgebühr)[1] ist ein guthabenabhängiger Mitgliedsbeitrag in Tauschringen. Sie wird üblicherweise als negativer Zins auf Guthaben berechnet.
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Umlaufsicherung?
Im deutschsprachigen Raum werden auch Begriffe wie "Umlaufsicherung" und "Schwundgeld" verwendet, die aus der Freiwirtschaftslehre nach Silvio Gesell stammen. Sie gehen davon aus, dass Geld "im Umlauf" sei und dass es schädlich sei, wenn der Geldumlauf stocke, etwa durch Sparen. Die Umlaufsicherung soll den Umlauf des Geldes sichern.
Die meisten Tauschringe wollen aber ausdrücklich "ohne Geld" tauschen. Bei Tauschringen nach dem LETS-Modell gibt es auch keine zentrale Einrichtung, die Geld schöpft. Vielmehr sind die Verrechnungseinheiten nur ein Werkzeug, um die Leistungsbilanzen der Mitglieder untereinander zu berechnen. Wie sollte da eine Geldmenge berechnet oder gar deren Umlaufgeschwindigkeit ermittelt werden?
Die Tauschringpraxis widerlegt außerdem die kapitalismuskritische Grundannahme der Freiwirtschaft, dass die Menschen vor allem wegen der zu erwartenden Haben-Zinsen Guthaben horten würden. In Tauschringen werden keine Haben-Zinsen bezahlt. Trotzdem häufen sich auf vielen Konten Guthaben.
Guthaben entstehen im Tauschring durch Arbeit. Wer ein Guthaben hat, ist gegenüber den anderen Mitgliedern in Vorleistung gegangen. Tauschringmitglieder tun das in der Praxis aus folgenden Motiven:
- Langfristige Vorsorge: "Spare in der Zeit, so hast du in der Not"
- Mittelfristiges Ansparen für ein größeres Projekt, wie etwa ein größeres Fest oder eine größere Renovierung,
- Freude am Tun, ohne konkreten Bedarf an Gegenleistungen.
Bei Zeitbanken und Seniorengenossenschaften wäre ein erzwungener Verzicht auf erarbeitete Guthaben widersinnig, weil diese Gemeinschaften ausdrücklich zum Zweck der individuellen Altersvorsorge gegründet wurden.
Mittelfristiges Ansparen für größere Projekte ist in jeder Hinsicht wünschenswert. Wer erst verdient und dann ausgibt, muss keine Schulden machen. Diese Mitglieder geben ihre Guthaben aber auch wieder aus, indem sie den anderen große Aufträge erteilen.
Problematisch für Tauschringe sind nur die einseitig leistenden Mitglieder, weil sie die anderen Mitglieder in die Schulden zwingen. Sie wollen arbeiten, geben den anderen aber keine Gelegenheit zur Gegenleistung. In vielen Tauschringen gibt es deswegen ein Leistungs-Limit.
Der Begriff "Aufbewahrungsgebühr" betont, dass das Aufbewahren von Guthaben Kosten verursacht. Damit Guthaben erhalten bleiben, muss sich die Orga um eine zuverlässige Buchhaltung kümmern und den Tauschring als Ganzes zusammenhalten. Die Existenz größerer Guthaben erhöht den moralischen Druck auf die einzelnen Tauschringmitglieder, sich dem Tauschring gegenüber loyal zu verhalten. Es ist also sinnvoll, dass Mitglieder, die Guthaben aufbewahren wollen, im Tausch für die dazu notwendigen Leistungen den anderen Mitgliedern etwas zurückgeben.
Tauschanreiz
Tauschen ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ein Tauschringmitglied, das nur für andere arbeitet, selbst aber keine Leistungen in Anspruch nimmt, blockiert nicht den Umlauf des Geldes, sondern den Ausgleich der Leistungsbilanzen. Wer einseitig Waren und Dienstleistungen erbringt, verhindert, dass andere Mitglieder im Tausch entsprechende Gegenleistungen erbringen können.
Die Aufbewahrungsgebühr setzt bei der Gier des Mitglieds an. Anstatt sich die mühsam erarbeiteten Guthaben ohne Gegenleistung abbuchen zu lassen, könnte es anderen Mitgliedern Aufträge geben und so wertvolle Gegenleistungen erhalten.
Im Gegensatz zu harten Limits kann ein Mitglied aber so viel arbeiten wie es will.
Mitgliedsbeitrag
In der Tauschringpraxis zeigt sich, dass ein gewisser Teil der aktiven Mitglieder ganz gerne mehr arbeitet als konsumiert. Für sie ist die Aufbewahrungsgebühr eine angenehme Form, der Gemeinschaft einen Mitgliedsbeitrag zukommen zu lassen.
Beispiele
Einige Tauschringe, die eine Aufbewahrungsgebühr verwenden:
- Tauschring Hamburg: "Für die Organisation des Tauschringes buchen wir jeden Monat 2% von allen Motten-Guthaben ab. Das soll vor allem Anreiz geben, bei großem Guthaben möglichst viele Tauschgeschäfte nachzufragen, um das Zeitkonto nicht extrem anwachsen zu lassen."[2]
- Tauschring Markgräflerland: "Damit die Unterschiede nicht zu groß werden und dem Tauschring Mittel zur Verfügung stehen, werden von allen Karten am Jahresende 10% der Talente über 100 abgezogen."[3]
- Tauschnetz Elbtal: "Damit das Tausch-System gut funktioniert und Leistungsschwächere nicht ausgeschlossen werden, ist es wichtig das eingenommene Talente genutzt (weitergegeben) und nicht „gehortet“ werden. Um diesen Umlauf zu sichern gilt: Wer im Zeitraum eines Kalenderjahres durchschnittlich über 100 Talente auf seinem Konto hat wird mit einer Umlaufsicherung von 12% für den darüberliegenden Anteil belastet. Die Buchung erfolgt Anfang des Jahres für das vorherige Jahr und wird den Projektkonten gutgeschrieben."[4]
Einzelnachweise
- ↑ Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation. Ein Tauschmittel, das jedem dient, Goldmann, München 2005, ISBN 978-3-442-12341-4 (Volltext) S. 49ff.)
- ↑ http://www.tauschring-hamburg.org/wp-content/uploads/2012/03/Tauschring-Hamburg-Unsere-Regeln.pdf
- ↑ http://www.tauschring-markgraeflerland.de/umlaufsicherung.shtml
- ↑ Tauschregeln Tauschnetz Elbtal