Zeitbank

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Der Begriff Zeitbank ist in der deutschen Tauschring-Landschaft wenig gebräuchlich. Als eigenständiges Konzept spielen Zeitbanken in Deutschland, zumindestens unter dieser Bezeichnung, keine nennenswerte Rolle. In der Praxis haben viele deutsche (Zeit-)Tauschringe durchaus Ähnlichkeiten mit den TimeBanks nach Edgar Cahn, auch wenn sie sich selbst auf andere Einflüsse beziehen.

Die Modelle von Edgar Cahn aus den 1980ern, um Zeitsparen auch zur Pflege- und Altersvorsorge in selbstorganisierten Gemeinschaften zu ermöglichen, flossen in Deutschland bereits 1990 in die Seniorengenossenschaften ein. Zwölf Projekte wurden vom Land Baden-Württemberg über drei Jahre gefördert. Seniorengenossenschaften sind ausführlich dokumentiert und wissenschaftlich untersucht.[1][2][3][4][5] Einige der damals gegründeten Seniorengenosschenschaften existieren heute - nach über 20 Jahren - immer noch.

Bei Tauschringen ist das längerfristige Ansparen von Zeitguthaben dagegen meist unerwünscht und wird durch Schutzmaßnahmen wie eine obere Begrenzung der Kontostände oder durch Negativzinsen auf Guthaben verhindert.

Das einzige größere Zeitbank-Projekt in Deutschland, der Münchner ZeitBank e.V., hat sich aufgelöst. Bei den wenigen Projekten in Deutschland, die sich gegenwärtig als "Zeitbank" bezeichnen, scheint es sich um einfache Tauschringe, kleinere Gruppen in der Gründungsphase oder unverwirklichte theoretische Konzepte zu handeln.

Der Begriff "Zeitbank" wird in Deutschland, Österreich, Italien und England unterschiedlich verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Zeitbanken und Tauschringe in Deutschland

Das 1990 erschienene und in der Tauschring-Landschaft einflussreiche Buch "Organisisierte Eigenarbeit" von Offe/Heinze geht ausführlich auf Edgar Cahns Service-Credits-Modell ein. Die Autoren entwerfen auch ein Bild von "Zeitbanken":"[6]

Es fehlt gewisser­maßen - im biographischen Längsschnitt betrachtet - an »Zeitbanken« oder »Speicherhäusern«, in welche gleichsam die Überschüsse der »sieben fetten Jahre« eingelagert und aus denen sie während der »sieben mageren Jahre« entnommen werden können; erst recht fehlt die Möglichkeit eines »Zeitkredits«, den man in den mageren Jahren aufnehmen und in den fetten zurückzahlen würde.

In Deutschland wurden solche "Zeitbanken" zum ersten Mal 1990/91 in größerem Maßstab und in Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen durch die Gründung von Seniorengenossenschaften verwirklicht, ohne dass diese sich selbst als "Zeitbank" bezeichnet hätten. In Berichten über Tauschringe und in der Selbstdarstellung deutscher "Tauschsysteme" werden Tauschringe und Seniorengenossenschaften oft gemeinsam betrachtet. Zum Beispiel:

Das Zeittauschnetzwerk MORE, St. Louis, USA, das eng an Edgar Cahns Service-Credits-Modell angelehnt ist, wurde bereits beim BT 1995 vorgestellt.

Die italienischen Zeitbanken "Banca del Tempo" wurden bei mehreren Bundes(arbeits)treffen der deutschen Tauschringe präsentiert: BT 1997[9] in Kassel, BT 2001 in Hamburg[10]. Berichte erschienen u.a. in den TSN Nr. 4[11].

Der österreichische Talente-Tauschkreis Vorarlberg und sein Zeitvorsorge-Projekt Evergreen[12] im Leiblachtal wurde beim BT 2005 in Berlin[13] und beim BT 2007 in Kassel[14] vorgestellt.

Joyce Mayer und Martin Schmidt-Bredow (beide LETS Tauschnetz München und AG Tauschringe im Dialog) gehörten zum Gründungsvorstand des 2007 gegründeten und 2012 aufgelösten[15] ZeitBank e.V. in München. Diese Zeitbank war Thema beim Treffen der deutschsprachigen Tauschsysteme 2006 in Wangen[16], beim BT 2007 in Kassel[17] und beim BATT 2012 in Büdingen[18].

Beim BATT 2012 stellte Karl-Heinz Kock aus Köln sein Konzept einer Vorsorge-ZeitBank unter dem Titel Zeitstiftung für alle? Alters- und Pflegevorsorge im Tauschsystem vor.[19]

Januar 2013 veröffentlichte Klaus Reichenbach (Zeitbörse Kassel) im Rahmen der Vorbereitung des BATT 2013 im Webforum AG-TR-Dialog und im Namen des VzFbE e.V. ein Diskussionspapier. Unter dem Titel "Zeitbank-Modelle in Deutschland"[20] stellt es Forderungen zur Steuerbefreiung für Tauschsysteme. Das Papier nennt 6 bestehende "Zeitbanken und Tauschringe mit Vorsorgezeitkonten".

Zeitbanken in Österreich

siehe auch WIR GEMEINSAM Zeittausch-Netzwerk

Siehe auch

Weblinks

Zeitbanken in Deutschland:

Zeitbanken in Österreich:

Zeitbanken in Italien:

Einzelnachweise

  1. Zundel 2006
  2. Ruedi Winkler: Modellprojekt Seniorengenossenschaften
  3. Ulrich Otto: Seniorengenossenschaften. Modell für eine neue Wohlfahrtspolitik? 1995 Volltext
  4. Ursula Köstler: Seniorengenossenschaften - Stabilitätseigenschaften und Entwicklungsperspektiven. 2006 Google Books
  5. Josef Martin: Nutzung hauswirtschaftlicher Dienstleistungen durch Senioren. 2004, Equal. Volltext
  6. Offe Heinze 1990, S. 35
  7. Abschlussdokumentation BT 1997, S. 21 und 39
  8. TSN Nr. 1, S. 22
  9. Dokumentation des BT 1997, S. 70-79 (Download)
  10. Ute Anacker, Pantaleo Rizzo: Banca del Tempo. in: TSN Nr. 15, 2001, S. 32-34 (Download)
  11. Ein Augenblick Zeit in "Bella Italia" - Tauschringtreffen bei Turin, 20.-22.11.1998. in: TSN Nr. 4, Dezember 1998, s. 32-34
  12. http://www.unterguggenberger.org/page.php?id=308
  13. Dokumentation des BT 2005, S. 108-109 (Download)
  14. Workshop-Protokoll BT 2007 (Online)
  15. Die Satzung des Zeitbank e.V. München wurde am 21.3.2007 errichtet; am 8.8.2012 war der Verein aufgelöst. Quelle: Eintrag im Vereinsregister bei Amtsgericht München, Registernummer 200870, http://www.handelsregister.de/ (kostenpflichtiger chronologischer Abdruck abgerufen am 23.12.2012)
  16. Vorab-Reader zum TdTS 2006, S. 15 (Download)
  17. Zeitplan des BT 2007 (Online)
  18. Klaus Reichenbach: Presseerklärung "Gesellschaft zukunftsfähig gestalten - mit Solidarität und Ökologie" 24. Juli 2012 (Download)
  19. http://www.vorsorgezeitbank.mynetcologne.de/archive.htm
  20. Klaus Reichenbach: Zeitbank-Modelle in Deutschland. Januar 2013 (Online)
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