Umlaufsicherung

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Dieser Artikel beschreibt die Umlaufsicherung in der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell. Für Negativzinsen auf Guthaben in Tauschringen siehe: Negativzinsen auf Guthaben
Vorderseite der Wörgler Arbeitswertbestätigung von 1932/33: "Langsam umlaufendes Geld hat … Millionen schaffender Menschen in unsägliche Not gestürzt."
Wörgler Freigeld von 1932/33 mit aufgeklebten Gebührenmarken
Umlaufsicherung ist ein zentraler Gedanke des freiwirtschaftlichen Schwundgeldkonzepts. Bargeld soll (insbesondere in Krisenzeiten) nicht gehortet werden, sondern durch geeignete Anreize möglichst schnell zwischen verschiedenen Personen umlaufen. Um die Wirtschaftstätigkeit anzuregen, soll nicht die Menge des umlaufenden Geldes erhöht werden (vgl. Inflation), sondern dessen Umlaufgeschwindigkeit.

Umlaufgesichertes Bargeld verfällt nach einer festgelegten Zeit (etwa ein bis drei Monate), falls es nicht durch Zahlung einer Gebühr - und Aufkleben entsprechender Gebührenmarken - in seinem Wert bestätigt wird. Ein ähnliches System verwenden auch die Gutscheine der Regiogeld-Initiativen.[1]

Da sich die deutschen Tauschringe schon seit beim Bundestreffen der Tauschsysteme 1997 in Kassel immer wieder ausdrücklich von freiwirtschaftlichen Modellen distanzieren[2], ist es sinnvoller, im Zusammenhang mit Tauschringen freiwirtschaftliche Begriffe wie "Umlaufsicherung" oder "Umlaufsicherungsgebühr" zu meiden.

Da es bei Tauschringen in der Regel kein Bargeld (oder bargeldartige Gutscheine wie beim Regiogeld) gibt, können die freiwirtschaftlichen Modelle zur Berechnung der Menge des umlaufenden Bargelds und zur Berechnung von dessen Umlaufgeschwindigkeit nicht unmittelbar auf Tauschringe übertragen werden.

Die gelegentlich unter dem Stichwort "Umlaufsicherung(sgebühr)" diskutierten Negativzinsen auf Guthaben haben sich bei einigen Tauschringen durchaus bewährt.

Diskussion

Es ist fraglich, inwiefern das Konzept einer Umlaufsicherung auf bargeldlose Tausch- und Geldsysteme übertragen werden kann. Die theoretischen Arbeiten von Silvio Gesell selbst gingen von Bargeld aus.

Es wäre auch zu diskutieren, ob Negativzinsen auf Guthaben konzeptionell nicht eher einer "Vermögenssteuer" mit dem Ziel einer Umverteilung entsprechen.

Es wäre auch zu diskutieren, inwiefern Begriffe wie "Umlaufsicherung" und "Umlaufimpuls" geeignet ist, das eigentliche Anliegen zu vedeutlichen: die Steigerung der Umlaufgeschwindigkeit. Wer hat diese Begriff geprägt? In welchem Zusammenhang werden sie üblicherweise verwendet? Welche Begriffe verwendete Silvio Gesell selbst?

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. vgl. http://www.chiemgauer.info/fileadmin/user_upload/Basisinfo/InfoblattChiemgauer2010.pdf
  2. vgl. Artikel von Dagmar Capell im Tauschmagazin Nr. 6 Juli 2003, Seite 5f.

Literatur

  • Fritz Schwarz: Das Experiment von Wörgl. 1951, Verlags-Genossenschaft Freies Volk Bern. (Volltext)

Weblinks