Mitgliedsbeitrag

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Über Mitgliedsbeiträge und Gebühren tragen die einzelnen Mitglieder zu den gemeinschaftlichen Aufgaben eines Tauschring bei. Beiträge werden in der gesetzlichen Währung (Euro) und/oder in der Tauschwährung (Verrechnungseinheit) erhoben.

Die Tauschringe handhaben ihre Mitgliedsbeiträge sehr unterschiedlich. Manche machen die Zahlung von Beiträgen zur Bedingung einer Mitgliedschaft. Andere schütten dagegen eine Art bedingungsloses Grundeinkommen an alle Mitglieder aus.

Notwendigkeit von Beiträgen

Für die Organisation eines Tauschsystems fallen mehr oder minder viele Kosten und Arbeiten an, je nachdem, ob ein eigenes Büro angemietet oder zu Hause gearbeitet wird.

Manchmal werden die Büro-Kosten von privaten Förderern oder anderen Trägern übernommen. Die Organisationsarbeit wird meist ehrenamtlich, teilweise gegen Verrechnungseinheiten und selten durch bezahlte (ABM-) Arbeitskräfte aus sozialen Institutionen geleistet. Tauschsysteme mit bezahlten ABM-Stellen überleben den Wegfall der Arbeitsstelle oft nicht.

Ein wesentlicher Teil der Beiträge gleicht die Konten von Mitgliedern aus, die mit einem Minuskonto austreten.

Beiträge in Euro

Manche Tauschringe erheben Gebühren in Euro, um in Euro anfallende Kosten für Telefon, Porto, Büromaterial, Erstellung der Marktzeitung, etc. zu bezahlen.

Kaution

Manche Tauschringe verlangen beim Eintritt eine Kaution (Pfand, Sicherungsgebühr), die beim Austritt zurückerstattet wird. Diese Sicherungsgebühr soll ein Anreiz sein, das Tauschkonto beim Austritt auszugleichenm und damit den Tauschring vor Trittbrettfahrern schützen.

Einmalige Aufnahmegebühr

Manche Tauschringe verlangen von neue Mitglieder beim Eintritt eine einmalige Aufnahmegebühr. In manchen Tauschringen wird die Aufnahmegebühr als Hürde verstanden, damit neue Mitglieder nicht zu leichtfertig eintreten. Manche Tauschringe verlangen die einmalige Aufnahmegebühr anstatt eines wiederkehrenden Monatsbeitrages.

Monats- oder Jahresbeitrag

Viele Tauschringe verlangen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag, der üblicherweise zum Jahresanfang für das ganze Kalenderjahr fällig wird. Die Höhe der Beiträge liegt meist im Bereich zwischen 50 Cent bis 1 Euro pro Monat.

Verzicht auf Euro-Beiträge

Manche Tauschringe verzichten ganz auf Euro-Beiträge, weil sie konsequent "ohne Geld" tauschen wollen oder weil sie den Verwaltungsaufwand scheuen.

Beiträge in Verrechnungseinheiten

Für die regulären Mitgliedsbeiträge sind monatliche Gebühren am weitesten verbreitet.

Monatsbeitrag

Tauschringverwaltungsprogramme ermöglichen eine regelmäßige, üblicherweise monatliche, Abbuchung von Beiträgen. Bei papierbasierten Tauschringen werden regelmäßige Beiträge manchmal nur jährlich bei Abgabe/Verlängerung des Tauschhefts erhoben.

Vorteile:

  • Regelmäßige Einkünfte für das Verwaltungskonto
  • Planbarkeit der monatlichen Budgets

Nachteile:

  • Passive Fördermitglieder oder inaktive Mitglieder verlieren die Motivation. Ihr Konto rutscht immer mehr ins Minus, obwohl sie nicht tauschen.
  • Es ist nicht absehbar, wie viele der eingezahlten Mitgliedsbeiträge tatsächlich gedeckt sind. Wenn ein inaktives Mitglied austritt oder ausgebucht wird, ohne sein Konto auszugleichen, müssen sie vom Verwaltungskonto wieder erstattet werden. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass ein Tauschring mehr VE für die Büroarbeit ausgibt, als tatsächlich vorhanden sind, was zu einer Überschuldung des Verwaltungskontos führen kann.

Üblich ist ein fester Betrag für alle Mitglieder. Manche Tauschringe berücksichtigen bei der Höhe der Beiträge auch das Guthaben auf dem Konto (wie etwa Regiotauschnetz e.V.).

Guthabenabhängiger Monats- oder Jahresbeitrag

Manche Tauschringe berechnen Negativzinsen auf Guthaben einer bestimmten Höhe. Sie liegen üblicherweise in der Größenordnung von etwa 1% pro Monat.

Die Zeitbörse Königsbrunn bucht am Jahresende alle Guthaben oberhalb eines bestimmten Kontostandes bei den Mitgliederkonten ab.

Umsatzgebühr

Manche Tauschringe berechnen Transaktionsgebühren. Sie funktionieren ähnlich der Mehrwertsteuer. Bei jeder Buchung behält die Verrechnungsstelle einen gewissen Prozentsatz der Summe ein.

  • Neuwieder Tauschring: "Bei jeder Buchung fließen automatisch von beiden Seiten (Helfer und Empfänger) je 1% auf jedes dieser Konten, insgesamt also 2%. Dies ist unsere Umsatzgebühr und betrifft nur die, die tatsächlich einen Vorteil aus dem Tauschring gezogen haben."[1]
  • Walddörfer Tauschbörse: Die Mitgliedschaft kostet neben weiterem "15 Talente pro Monat + prozentuale Umsatzgebühr für die Organisationsarbeit."[2]
  • Dreamteams: "Es wird … bei jeder Transaktion eine Umsatzgebühr von 10% der Arbeitszeit zur Aufwandsabdeckung für das Zeitstundenkonto von Dreamteams … abgezweigt."[3]

Vorteile:

  • Die Transaktionsgebühren sind durch bereits erbrachte Leistungen gedeckt.
  • Nicht-Tauscher rutschen nicht ins Minus. Das erleichtert die Wiederaufnahme von Tauschaktivitäten nach längerer Pause.
  • Bei Austritten von Nicht- oder Wenig-Tauschern entfallen Diskussionen über den Ausgleich aus ihrer Sicht unverhältnismäßig hoher Beiträge ("Ich habe doch nie getauscht, warum soll ich jetzt 10 Stunden abarbeiten?")
  • Beim Austritt von Nicht-Tauschern reduziert sich der Verwaltungs- und Berechnungsaufwand. Das Konto ist immer noch Null, wie am Anfang. Es kann einfach gelöscht werden. Es müssen keine aufgelaufenen und nicht ausgeglichenen Mitgliederbeiträge abgeschrieben werden.
  • Die Kontoauszüge der Mitglieder werden übersichtlicher, weil die monatlichen Abbuchungen entfallen. Kontobewegungen und Kontostände sind leichter verständlich, was Transparenz und Eigenverantwortung der Mitglieder fördert.
  • Für die große Mehrheit der Wenig-Tauscher verringern sich die Mitgliedsbeiträge. Es lohnt sich, im Tauschring zu bleiben, auch wenn man nur wenig tauscht.
  • Transaktionsgebühren fallen auch beim Schenken und Verleihen von VE an.

Nachteile:

  • Für Viel-Tauscher erhöhen sich die Mitgliedsbeiträge. Einwand: Auf die Frage "Wenn ich schon so viel für den Tauschring mache, warum muss ich dann auch noch viel zahlen?" ließe sich antworten "Wer am meisten tauscht, profitiert auch meisten vom Tauschring. Wer nicht tauscht profitiert nicht. Es ist also sinnvoll, wenn Viel-Tauscher mehr für den Tauschringunterhalt bezahlen als Wenig-Tauscher.")
  • Die Transaktionsgebühr steht in keinem Verhältnis zu den Transaktionskosten. Jede Buchung verursacht den annähernd gleichen Verwaltungsaufwand. Betragsmäßig geringe Tauschaktivitäten werden zu wenig an den Verwaltungskosten beteiligt, betragsmäßig große Tauschaktiviäten zu sehr. Einwand: gleiches gilt auch für die Preiskalkulation in Cafés und Restaurants. Der Gast, der sich einen ganzen Nachmittag an einer kleinen Cola festhält, beteiligt sich an den Kosten für Raummiete, Personal, Küche usw. viel zu gering. Dennoch hat sich diese Kalkulation durchgesetzt.

Umlage der Ausgaben

Anstatt einen willkürlich festgelegten Mitgliedsbeitrag zu erheben, legen manche Tauschringe die tatsächlichen Ausgaben regelmäßig auf alle Mitglieder um. So verteilt der Tauschring Prenzlauer Berg halbjährlich das Systemkonto auf alle Mitglieder.

Verzicht auf Mitgliedsbeiträge

Es gibt auch Tauschringe, die auf Beiträge in Verrechnungseinheiten verzichten, wie z.B. das Tauschnetz Lichtenberg. Sie sehen es als Maßnahme, um das "Wir-Gefühl" in der Gemeinschaft zu stärken.

Vorteile:

  • Die Mitgliedschaft ist kostenfrei, da keine Beiträge in Verrechnungseinheiten erhoben werden.
  • Die Tauschaktivitäten sind kostenfrei, da keine Transaktionsgebühr berechnet wird.
  • Wenig-Tauscher rutschen nicht durch monatlichen Abbuchungen ins Minus.
  • Da die Mitglieder keine Mitgliedsbeiträge an die Gemeinschaft bezahlen, kann ihnen die Gemeinschaft auch keine Tätigkeiten vergüten. Damit fällt eine der Hauptursachen weg, die zu einer Überschuldung des Verwaltungskontos führt: ausufernde Kosten für Orga, Feste und andere Gemeinschaftsaktivitäten.
  • Weniger Neid und Geld-Denken. Es gibt eine klare Trennung, was bezahlt wird und was nicht. Geschäfte zwischen den Mitgliedern werden verrechnet, Tätigkeiten für die Gemeinschaft sind Geschenke ohne Anspruch auf Gegenleistung. Es gibt keinen Grund mehr, die Orga oder andere Mitglieder um ihr "leicht verdientes" Geld zu beneiden oder um die Entlohnung für Gemeinschaftsaufgaben zu feilschen. Wenn niemand "Geld" (hier: Verrechnungseinheiten) erhält, entfallen die Verteilungskämpfe.
  • Kultur der Solidarität und Großzügigkeit. Gemeinschaftsaufgaben werden nach dem Modell des Beitragens organisiert. Jeder trägt seinen Teil bei, ohne dass darüber Buch geführt wird. Es gibt noch zahlreiche weitere bewährte Formen der gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung, die Tauschringe aus anderen Organisationen übernehmen können.

Nachteile:

  • Abhängigkeit von der Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement. Da Bezahlung als Tätigkeitsmotiv wegfällt, müssen andere Belohnungsmechanismen gefunden werden, damit die ganze Arbeit nicht an einigen Wenigen hängen bleibt.
  • Wenn Schmarotzer mit einem negativen Kontostand austreten, hat der Tauschring keine Reserven, um das entstehende Minus auf dem Systemkonto auszugleichen.
  • Solche unvermeidbare Kosten für die Gemeinschaft müssen anderweitig durch die durch Mitglieder ausgeglichen werden, etwa durch Einsammeln von Spenden oder Umlage auf alle Mitglieder. Weil das mehr Arbeit macht, als die Systemkonten einfach ins Minus rutschen zu lassen, besteht ein erhöhtes Risiko einer Überschuldung des Verwaltungskontos.

Probezeit

Eine Variante ist eine zeitlich begrenzte Beitragsfreiheit für Neumitglieder. Neumitglieder, die während dieser Probezeit nicht tauschen, können guten Gewissens wieder gehen, ohne dass etwas passiert.

Begrüßungsgeschenk

Einige Tauschringe geben Neumitgliedern sogar ein gewisses "Startguthaben" als Begrüßungsgeschenk. Im Gegensatz zum Startguthaben als Kredit, ist das Begrüßungsgeschenk zum Ausgeben bestimmt.

Vorteile:

  • Das Begrüßungsgeschenk ist ein Konsumanreiz. Neumitglieder können sofort Angebote im Tauschring nutzen, ohne Verbindlichkeiten eingehen zu müssen.
  • Entbindung vom Leistungsversprechen. Mitglieder, die nur ihr Startguthaben verzehren wollen, können es guten Gewissens tun.

Nachteile:

  • Schmarotzendes Verhalten wird belohnt.
  • Nachhaltiges Wirtschaften wird bestraft. Die verbleibenden Mitglieder müssen für das Startguthaben aufkommen, dass die ausgetretenen Mitglieder erhalten haben. Warum sollten sie das tun?

Bürgergeld

Vereinzelte Tauschringe gehen noch weiter. Anstatt von den Mitgliedern Beiträge einzuziehen, zahlen sie ihnen regelmäßig ein "Bürgergeld" aus.

Einzelbelege