Trittbrettfahrer

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Schmarotzer oder Trittbrettfahrer (engl. free-rider) sind eines der größten Risiken für den langfristigen Fortbestand eines Tauschrings.[1] Sie nehmen mehr Leistungen anderer Mitglieder in Anspruch als sie im Tausch erbringen. Sie verlassen den Tauschring, ohne ihre eingegangen Verbindlichkeiten zu begleichen.

Schmarotzer brechen das Leistungsversprechen und lassen die Gemeinschaft auf ihren unbezahlten Schulden sitzen. Die verbleibenden Mitglieder müssen dann für die Verbindlichkeiten der Schmarotzer gerade stehen. Das machen die aktiven Mitglieder nur bis zu einem bestimmten Punkt mit.

Zahlenmäßig lässt sich ein Überhandnehmen der Schmarotzer an der Überschuldung des Verwaltungskontos erkennen. Das ist der Punkt, wenn die verbleibenden Mitglieder nicht mehr bereit sind, für die von anderen Mitgliedern eingegangen Verpflichtungen aufzukommen.

Vorbeugung

Nicht jeden aufnehmen, sondern neue Mitglieder gezielt auswählen. Aus welcher Motivation möchte die Person beitreten? War sie schon in anderen Tauschringen Mitglied? Wenn ja, hat sie dort gute Referenzen?

Persönliche Patenschaften für neue Mitglieder durch erfahrene Mitglieder.

Klare Kommunikation der Tauschregeln. Versteht das neue Mitglied wirklich, dass es mit dem Eintritt ein Leistungsversprechen gegenüber der Gemeinschaft eingeht? Fühlt es sich an das Versprechen gebunden?

Schadensbegrenzung

So gut wie alle langfristig erfolgreichen Tauschringe haben organisatorische Maßnahmen zur Eindämmung opportunistischen Verhaltens eingeführt.

Am üblichsten sind Limits. Sie begrenzen die Verschuldung, die ein einzelnes Mitglied eingehen kann. Bei manchen Tauschringen orientiert sich das Limit an der bisherigen Tauschgeschichte des Mitglieds. Wer viel tauscht bekommt ein großzügigeres Limit als ein ganz neues Mitglied.

Intensive Mitgliederbetreuung, um austrittswillige Mitglieder beim Ausgleich ihrer Schulden zu unterstützen:

  • Austrittswunsch den anderen Mitgliedern mitteilen. Vielleicht ergreift jemand die Initiative?
  • Tauschpartner vermitteln.
  • Spender vermitteln. Vielleicht finden sich ja andere Mitglieder, die dieses Mitglied persönlich fördern wollen?
  • Anregungen für andere Tauschangebote geben. Welche Leistungen werden in dem Tauschring besonders häufig nachgefragt, die dieses Mitglied erbringen könnte?
  • Tauschgeschäfte rückabwickeln. Vielleicht verzichten manche Leistungsgeber rückwirkend auf ihre Forderungen, etwa zugunsten eines Ausgleich in Euro oder eines Naturaltauschgeschäfts.
  • Bei Tauschringen, die eine Konvertierbarkeit von Verrechnungseinheiten in Euro zulassen, können die Forderungen auch in Euro beglichen werden.
  • Teilausgleich aushandeln. Besser das Mitglied zahlt wenig zurück als nichts.

Schwarze Liste

Wenn nichts mehr hilft oder der Zeitaufwand für die Orga in keinem sinnvollen Verhältnis zum möglichen Nutzen steht, den Schmarotzer einfach gehen lassen und auf eine Schwarze Liste setzen. Diese Mitglied bekommt keine guten Referenzen.

Einzelnachweise

  1. Wagner 2009, S. 41