Motivation

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Die Motivationen der Mitglieder, an einem Tauschring teilzunehmen, sind vielfältig. Sie lassen sich in fünf Bereiche einteilen: soziale,[1] ökonomische,[2] ideelle,[3] arbeitsbewertende[4] und finanz- und zinskritische Motive.[5]

Soziale Motive

»Es ist eines der wichtigsten Ziele der Tauschringbewegung; Kontakte in der Nachbarschaft zu schaffen, damit soziale Isolation aufzubrechen und zur Gemeinwesenentwicklung beizutragen.«[6]

Kontakte knüpfen, Nachbarn kennen lernen, Freunde finden – all dies sind soziale Motive im Tauschring, die über das reine tauschen hinweg gefragt sind. Insbesondere in Großstädten kann die Anonymität und Isolation mittels eines Tauschrings aufgebrochen werden.[7] Er bildet Anknüpfungspunkte für weitere soziale Kontakte, die nicht selten in gemeinsamen Freizeitaktivitäten oder Freundschaften münden.

Ökonomische Motive

»Die Vermassung in den Großstädten führt zu einem Verlust von Verantwortungsgefühl beim einzelnen Bewohner.«[8]

Die Möglichkeit in einem Tauschring Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die man sich sonst nicht finanziell leisten könnte oder wollte, ist ein entscheidendes Motiv, da die Grundlage der Verrechnung die Zeit ist.[9] Auf diesem Weg kommen Tauschaktivitäten zustande, die außerhalb des Tauschrings nicht in Anspruch genommen werden oder nur zeit- bzw. kostenintensiv zu bekommen sind. Mit dem nicht ausgegebenen Geld kann das Mitglied sich wiederum andere Dienstleistungen oder Güter außerhalb des Tauschrings leisten. Tauschringe verstehen sich als Förderer lokaler Ökonomie und der Ressourcenschonung.[10] So ist es möglich kleine Reparaturen an Gegenständen zu tauschen, die sonst entsorgt würden, weil es zu teuer wäre, diese zu regulären Marktpreisen reparieren zu lassen.

Ideelle Motive

»Es soll einer Gesellschaft, die vielfach als ein ›Kampf Jeder gegen Jeden‹ empfunden wird, eine Alternative entgegengesetzt werden.«[11]

Mit dem Prinzip Tauschring kann ein Netzwerk aus ökonomischen, sozialen, nicht monetären, anders denkenden und ideellen Strukturen gebildet werden. Auf Grundlage dieser ideellen Motive begegnen sich im Tauschring auch Menschen, die sich unter Umständen sonst nicht getroffen hätten.

Arbeitsbewertungsmotive

»Tauschringe hinterfragen bisherige Bewertungsmuster in der Gesellschaft.«[12]

Arbeit wird in Tauschringen anders bewertet als auf dem offiziellen Arbeitsmarkt.[13] Da nicht nur die Bewertung, sondern auch der komplette ›Ablauf einer Arbeit‹ (u.a. persönliche Abstimmung) anders gehandhabt wird, löst sich der Tauschring vom bestehenden Arbeits- und Wirtschaftsmarkt.

Finanz- und zinskritische Motive

»Die meisten Menschen glauben, nur dann zinspflichtig zu sein, wenn sie sich Geld borgen, jedoch keine Zinsen zahlen zu müssen, wenn sie sich nicht verschulden.«[14]

Tauschringe versuchen, zumindest ansatzweise, aus dem bestehenden Geld- und Zinssystem auszubrechen. Durch Zins und Zinseszins wird ein erheblicher Beitrag der Umverteilung des Geldes von Arm zu reich geleistet sowie zu einem ungebrochenen Wachstumszwang.

In Tauschringen gibt es keine Zinsen, weder im Haben noch im Soll des Tauschring-Kontos.

Einzelnachweise und Anmerkungen

Literatur

Hauptquelle für den Artikel:

  • Morena Keckel: Anderes Denken erfordert Anderes Handeln - Struktur und Gestaltung von Tauschringen. Berlin, Diplomarbeit an der HTW Berlin. Fachbereich Gestaltung. 2009

Weiterführende Literatur:

Siehe auch