Leistungsversprechen

Aus Tauschwiki

(Weitergeleitet von Leistungsnehmer)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Leistungsversprechen sind moralische Verpflichtungen, erhaltene Leistungen durch gleichwertige Gegenleistungen auszugleichen. Beim Naturaltausch werden sie dem Tauschpartner gegeben, beim Tausch im Tauschring der Gemeinschaft.

Inhaltsverzeichnis

Naturaltausch

Beim Naturaltausch tauschen zwei Tauschpartner zeitnah zwei gleichwertige Tauschgegenstände. Zum Beispiel eine Kiste Äpfel gegen eine Stunde Putzhilfe.

       --- Leistung -->
   A                      B
       <-- Leistung ---    

Oder Tauschpartner A akzeptiert von B einen Gutschein als persönliches Leistungsversprechen für einen konkreten Tauschvorgang.

       --- Leistung -->
   A                      B
       <-- Gutschein --    

Falls A den Gutschein einlösen möchte, ist B durch das Versprechen moralisch verpflichtet, die versprochene Leistung auch zu erbringen.

       -- Gutschein -->
   A                      B
       <-- Leistung ---

Es bleibt A überlassen, ob er den Gutschein verfallen lassen möchte oder die Leistung einfordert. Die beiden Tauschpartner können auch ein Verfallsdatum vereinbaren, um die Gültigkeitsdauer des Leistungsversprechens zu begrenzen.

Ringtausch

Beim Ringtausch vereinbaren 3 oder mehr Tauschpartner ein Tauschgeschäft. Es ist abgeschlossen, wenn alle Beteiligten die versprochenen Leistungen erbracht bzw. erhalten haben.

       --- Leistung --> B --- Leistung -->
   A                                       C
       <-- Leistung ----------------------

Tauschring

Beim Tausch im Tauschring findet kein direkter Ausgleich statt. Das ist auch Sinn und Zweck eines Tauschrings. Im Gegensatz zum Natural- oder Ringtausch ist nicht vorhersagbar wer die konkrete Gegenleistung wann erbringen wird.

       --- Leistung --> B --- Leistung -->
   A                                       Die anderen Mitglieder
       <-- Leistung --- D <-- Leistung ---

Mitglied A wird also Mitglied B nur Leistungen geben, solange es darauf vertrauen kann, von der Gemeinschaft in einem gewissen Zeitraum entsprechende Gegenleistungen zu erhalten. Damit betrifft jedes Tauschgeschäft im Tauschring immer alle Mitglieder des Tauschrings. Mitglied A gibt eine Leistung, Mitglied B nimmt die Leistung und die anderen Tauschringmitglieder müssen den Ausgleich schaffen, um den Tauschkreis zu schließen:

             A   --- Leistung -->   B
             ^                      |
   Leistung  |                      |  Leistung
             |                      v
              Die anderen Mitglieder

Grundlage des Vertrauens ist die Mitgliedschaft im Tauschring. Mit dem Eintritt in den Tauschring verspricht jedes Mitglied, erhaltene Leistungen durch Gegenleistungen auszugleichen, so wie es in den Tauschregeln festgelegt ist. Obwohl ein Mitglied dieses Leistungsversprechen gegenüber der Gemeinschaft nur einmal beim Eintritt gibt, ist es bis zum Austritt oder bis zur Auflösung des Tauschrings daran gebunden.

Moralische Verpflichtung

Der Wert der Leistung wird in Verrechnungseinheiten (VE) gemessen. Zur Verrechnung des Tauschgeschäfts werden dem Konto des Leistungsgeber die vereinbarten VE gutgeschrieben, dem Konto des Leistungsnehmers der entsprechende Betrag abgezogen.

Wenn man alle Tauschgeschäfte eines Mitglieds zusammen zählt, erhält man den Kontostand. Am Kontostand kann man sofort erkennen, ob ein Mitglied mehr Leistungen gegeben oder genommen hat. Ein positiver Kontostand bedeutet üblicherweise, dass ein Mitglied mehr Leistungen gegeben hat. Ein negativer Kontostand bedeutet üblicherweise, dass ein Mitglied mehr Leistungen genommen hat und die Differenz wegen des beim Eintritt gegebenen Leistungsversprechens vor dem Austritt wieder ausgleichen muss. Er zeigt die Höhe der "moralischen Verpflichtungen" an, die das Tauschringmitglied gegenüber der Gemeinschaft eingegangen ist:

Diskussion

Verbindlichkeit der moralischen Verpflichtung

Es gibt unterschiedliche Ansichten zur Verbindlichkeit der moralischen Verpflichtungen.

Manche Tauschringmitglieder schätzen Leistungsversprechen gering. Sie seien "nur" moralische Verpflichtungen. Diese Haltung impliziert, dass Leistungsversprechen weniger wert seien als Geld und dass man sie guten Gewissens brechen könne.

Andere Tauschringmitglieder verstehen moralische Verpflichtungen im Wortsinne. Für sie ist es eine Frage der Moral, Ethik und Ehre, nur solche Verpflichtungen einzugehen, die sie auch einhalten werden. Für sie ist ein persönliches Versprechen mehr wert als Geld, weil sie mit ihrer Person für ihr Versprechen einstehen.

Verrechnungseinheiten als Zahlungsmittel

Auch wenn Leistungsversprechen per Definition das Grundprinzip eines Tauschrings sind, betrachten viele Tauschringmitglieder Verrechnungseinheiten als ein Zahlungsmittel.

       --- Leistung -->
   A                      B
       <----- VE ------

Ihrer Meinung nach tauschen sie Leistung gegen Verrechnungseinheiten. Sie kaufen und verkaufen Leistungen gegen selbstgemachtes Geld. Der Leistungsnehmer unterschreibt keinen Tauschbeleg, sondern einen Buchungsauftrag/Scheck. Die Zahlen sind identisch, egal ob man VE als Verrechnung von Leistungen oder als Zahlungsmittel interpretiert.

Die Frage ist aber, wie sich diese Sichtweise auf das Verhältnis des einzelnen Mitglieds zu den anderen Mitgliedern des Tauschrings auswirkt.

Bei der Interpretation als Zahlungsmittel hat man das Leistungsversprechen gegenüber dem einen Tauschpartner mit der "Zahlung" erfüllt. Man ist quitt, unabhängig vom Konostand.

Bei der Interpretation als Verrechnung von Leistungsversprechen in einer Gemeinschaft wird deutlicher, dass jeder Tausch alle Mitglieder des Tauschrings betrifft. Man ist erst quitt, wenn der eigene Kontostand Null ist.

Tauschring oder Geldexperiment

Es gibt auch einige selbstbezeichnete Tauschringe, die ihre Verrechnungseinheit ausdrücklich als Tausch- und Zahlungsmittel verstehen. Zum Beispiel:

Es ist fraglich, ob diese Wirtschaftsgemeinschaften als Tauschringe im oben beschriebenen Sinne oder nicht viel mehr als "Geldexperimente" zu verstehen sind. Bei diesen Modellen stehen die Schöpfung und Umverteilung von Geld im Vordergrund. Bei Tauschringen "ohne Geld" sind die Verrechnungseinheiten dagegen nur ein Hilfsmittel, um den Umfang der eingegangen und erfüllten persönlichen Leistungsversprechen zu ermitteln.

Einzelnachweise

  1. Teilnahmebedingungen des Kreuzberger Tauschrings abgerufen 24.8.2010
  2. Teilnahmebedingungen der Tauschring-Initiative Sinngrund abgerufen 24.8.2010
  3. Satzung Tauschring Barmstedt abgerufen 24.8.2010
  4. Satzung Tauschring Singen abgerufen 24.8.2010
  5. Grundsätze des Tauschring Emsdetten abgerufen 24.8.2010
  6. Spielregeln Tauschring Knöpfe statt Knete abgerufen 24.8.2010
  7. Tauschregeln im Regiotauschnetz e.V.
Persönliche Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
portale
mitmachen
Werkzeuge