BATT-Aktiv Gruppe Überschuldung - Protokoll Oktober 2012

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Protokoll[1] der Arbeitsgruppe "Überschuldung" beim BATT-aktiv-Teil des BATT 2012 in Büdingen.

Inhaltsverzeichnis

Thema: Praktische Erfahrungen mit der Überschuldung, Kennzahlen von Tauschsystemen (vorläufiger Arbeitstitel)

Es gibt zu diesem Thema zahlreiche, veröffentlichte Beiträge (z.B. von Birgit Kargl, TR Ulm - siehe Anlage 1 zu diesem Protokoll) und im Tauschwiki (Siehe Anlage 3 und Anlage 4) zu diesem Protokoll). Das eigentliche Ziel dieser BATT - aktiv Gruppe ist es daher nicht, hier noch eine weitere neue Theorie aufzustellen, sondern anhand der Erfahrungen aus der Praxis aufzuzeigen - und hier sind wir auf die Zuarbeit anderer Tauschsysteme angewiesen - ob und wie sich diese Theorien tatsächlich in der Praxis auswirken.

Da auf dem BATT selbst keine konkreten Zahlen vorlagen, beschäftigte sich die BATT - aktiv Gruppe mit den Themen:

Anmerkung - 01: Im Laufe der Diskussion gab es auch Beiträge von anderen BATT - aktiv - Teilnehmern zu diesem Themenblock, die anregten,

Aus diesen vorgenannten Gründen hat die BATT - aktiv Gruppe beschlossen, das Thema Überschuldung zunächst als „vorläufigen Arbeitstitel“ zu belassen, da der Begriff im allgemeinen so bekannt ist und auch im Tauschwiki als „Such- und Schlagwort“ genutzt wird. Sollte die BATT - aktiv Gruppe später anhand von gesammelten Erfahrungen zu anderen Ergebnissen kommen, wird das Thema noch überarbeitet.

Anmerkung - 02: Da sich die Diskussionen vom 01.10.12 nachmittags bis 03.10.12 vormittags erstreckten, manche Diskussionspunkte sich überlappten und miteinander verknüpften, zum Teil sich auch wiederholten, ist das nachfolgende Protokoll nur eine Zusammenfassung der Diskussion und der wesentlichen Punkte und gibt nicht den Verlauf (zeitlich und argumentativ) wieder. Statements einzelner Teilnehmer, die nachgereicht wurden, sind im Anhang zu diesem Protokoll aufgeführt. (Siehe z.B. Anlage 2: Statement von Jürgen Winkler)

Anmerkung - 03: Es ist uns durchaus bewusst, dass zu diesem Thema nur Tauschsysteme etwas beitragen können, die ihre Tauschvorgänge auch buchen. In der Praxis sind aber auch Tauschsysteme bekannt, die ihre Tauschsysteme nicht buchen, sondern nur am Jahresende die Kontostände der Tauschkreisteilnehmer festhalten, manche machen selbst das nicht einmal.

Anmerkung - 04: In diese BATT - aktiv Gruppe hat Lutz Jaintner einen Beitrag zu "Tauschmittelmengensteuerung in Tauschringen" eingebracht, der aus seiner Sicht das Überschuldungsthema aus theoretischer Sicht behandelt. Das Thema wurde zum Teil sehr intensiv diskutiert. Mittlerweile findet dazu auch eine Diskussion im Tauschwiki statt. Statt die zum Teil etwas komplizierte Diskussion hier zu protokollieren, verweise ich statt dessen auf den inzwischen unter http://obeliolocal.com/de/circulation_management.html nachzulesenden Artikel von Lutz im Original.

Da dieses Thema aber nicht direkt mit dem eigentlichen Thema der BATT - aktiv Gruppe zu tun hat, wird die Diskussion darüber hier nicht weiter verfolgt. Sein Statement ist als Anlage 5 zu dem Protokoll nachzulesen.

Einführung / Beispiel:

Im Talente-Tausch Region Grafing hatten wir im Jahre 2011 folgenden Sachverhalt (Hinweis zu den Zahlen: 20 Zeitpunkte = 1 Stunde): Es gab 45 Tauschkreisteilnehmer deren Konto im Plus war und deren Kontostände insgesamt in Summe 12.805 Zeitpunkte betrug. Es gab 21 Tauschkreisteilnehmer deren Konto im Minus war und deren Kontostände insgesamt in Summe 3.710 Zeitpunkte betrug. Der Netto - Jahresumsatz betrug im gleichen Zeitraum 2011 aus allen Tauschvorgängen 26.933 Zeitpunkte.

Die Differenz zwischen Plus- und Minuskonten betrug also 9.095 Zeitpunkte und war die Summe unserer tauschkreisinternen Verwaltungskonten, wie z.B: Austrittskonto, Altlastenkonto, Außenkonto, etc.. Nachdem Tauschen eigentlich auf ein ausgeglichenes Geben und Nehmen ausgerichtet ist, stellt sich für uns die Frage nach der Überschuldung unseres Tauschsystems und wie wirkt sich das auf unser Tauschsystem aus, oder machen wir uns dazu unnötiges Kopfzerbrechen?

Weitere Schlagworte dazu sind:

Ursachen der Überschuldung:

Zusammengefasst sind es bei vielen Tauschkreisen immer die gleichen Ursachen, die zu einem unausgeglichen Plus- und Minuskontostand bei den Tauschkreisteilnehmern führt:

a) Austritt von Mitgliedern mit Minuskonto. Es wird nicht darauf geachtet, dass die Mitglieder, die austreten, ihren Kontostand ausgleichen. Hier können sich über Jahre erhebliche Summen anhäufen.

b) Tod von Tauschkreisteilnehmern, Wegzug ohne Abmeldung.

c) Ungedeckte Ausgaben der Tauschkreisleitung und/oder des Orgateams. Die Entlohnung der Aktiven wird aus einem Verwaltungskonto gebucht, welches mit den Einnahmen aus den Verwaltungspunkten der Mitglieder nicht wieder aufgefüllt wird.

d) Übernahme von Tauschkreisteilnehmern aus anderen Tauschsystemen, die ein Plus auf ihrem Konto haben und mit ihren positiven Kontostand in das eigene Tauschsystem übernommen werden.

e) Schenkung von Startguthaben an Neumitglieder. Einige Tauschsysteme geben ihren Neumitgliedern bei Eintritt ein Startguthaben, um ihnen den Einstieg in das Tauschsystem zu erleichtern. Auch wenn ein Teil der Tauschsysteme darauf achtet, dass bei Austritt dann auch das Startguthaben mit ausgeglichen werden muss (Stichwort: Verschiebung der Nulllinie), kommt es vor, dass diese Teilnehmer dann auch noch mit einem Minuskontenstand ausscheiden und den negativen Effekt von Punkt a) verstärken.

f) Der Tausch mit anderen Tauschsystemen ist nicht ausgeglichen, er findet nur als „Einbahnstraße“ statt.

g) Permanente Nehmer, die ihre Talente nicht ausgeben.

Wie „ticken wir“ bzw. wie gehen wir persönlich mir unserem Plus und Minuskontostand um:

In einer persönlichen Umfrage unter den Teilnehmern der BATT - aktiv Gruppe wurde mehrheitlich die Auffassung vertreten, dass es einem wesentlich besser ginge, wenn man einen positiven Kontostand hätte. Für die meisten ist ein positiver Kontostand auch beruhigend: man hat Vorsorge für schlechtere Zeiten getroffen. Kaum berücksichtigt wird dabei, dass für mein Pluskonto andere Tauschkreisteilnehmer ein Minusbetrag auf ihrem Konto haben müssen (Buchungslogik).

Anmerkung:

Auswirkungen der Überschuldung:

Es wird berichtet von Erfahrungen aus div. Tauschkreisen:

Für die Gründe, warum die Tauschaktivitäten nachlassen, werden folgende Punkte diskutiert, die sich zum Teil wieder wechselseitig beeinflussen:

Maßnahmen zur Verhinderung der Überschuldung

a) Bewusstseinbildung für die Thematik im Orgateam/in der Tauschkreisleitung. Mögliche, nicht gleich zu behebende Minuspunkte in ein gesondertes Konto überführen (Badbank) und mittel- bzw. langfristigen Tilgungsplan erstellen.

b) Aktive Mitgliedsbetreuung: Viel mehr und regelmäßig tauschen, damit bei Austritt es leichter wird das Konto auszugleichen. Hilfestellung durch das Orgateam/die Tauschkreisleitung.

c) Grundsätzlich sollte in den Tauschsystemen keine Umrechnung und kein Umtausch von Tauschzeiten in Geldwährung (Euros) stattfinden (Konvertibilität). Es gibt jedoch die Ausnahme: Bei Austritt das Minuskonto mit Euros ausgleichen lassen. Von diesem Geld kann der TR dann Aktionen starten wie z.B.

Diese dafür eingenommenen Talente werden dann (sozusagen Zweckgebunden) ausschließlich zur Tilgung des Austrittskontos verwendet.

d) Hilfe zum Umdenken geben: Tauschkreisteilnehmer mit Pluskonten zum Spenden auffordern für Feste und Jubiläen, Bestellen von Unterstützung, Torten, etc. Auch die Transparenz der Kontenstände der einzelnen Tauschkreisteilnehmer kann zur Belebung beitragen. (Stößt aber in manchen Tauschsystemen auf Widerstand wg. Bedenken hinsichtlich Datenschutz). Mitglieder mit Minuskonten unterstützen, z.B. durch Extraseiten in der Marktzeitung.

e) In der TauschOase wurde das Startguthaben wieder abgeschafft

f) Aktionen veranstalten, z.B. Versteigerungen zu Gunsten des Verwaltungskontos

g) Austrittskonten jährlich aus dem Verwaltungskonto tilgen (Talentetausch - Region Grafing)

h) Entlohnung der Tauschkreisleitung überdenken

i) Notwendigkeit / Einführen von sinnvollen und auf das Tauschsystem abgestimmten Limiten für Plus- und Minuskonten.

Es liegt in der Verantwortung des Orgateams / der Tauschkreisleitung mit den Limiten nach oben und nach unten verantwortungsvoll umzugehen. Eine unflexible Haltung kann auch die Tauschaktivitäten beeinträchtigen, z.B. Tauschaktivitäten werden erst zu einem späteren Zeitpunkt abgerechnet, weil bei einem Tauschkreisteilnehmer momentan das Limit erreicht ist(interner Lieferantenkredit). Es kann aber durchaus notwendig sein, die Limiten nach unten zu erweitern oder ein größeres Ansparen zuzulassen, z.B. bei einem größeren Umzug, oder größeren Renovierung. Das fällt in den Spielraum des Orgateams/der Tauschkreisleitung. Aber auch hier ist Transparenz wichtig, um dem Verdacht der "Vetternwirtschaft" zu vermeiden.

In Königsbrunn wird z.B. am Jahresende automatisch der Überhang bei den Pluslimiten automatisch gekappt und die Talente einem allgemeinen Sozialkonto zugeführt.

j) Jährlichen Betrag zur Tilgung einplanen, dazu ggf. die Höhe der jährlichen Mitgliedsbeiträge/Verwaltungspunkte anpassen. (Talentetausch - Region Grafing)

k) jährlichen Haushaltsplan für die Verwaltung erstellen / Budgetplanung

l) Effektivität der Orgaleistungen/der Tauschkreisleitung überprüfen. Sind wirklich alle Leistungen unbedingt erforderlich? Welche Leistungen können von anderen erbracht werden?

m) Je nach Höhe der Überschuldung einmalige / zusätzliche Tilgungsumlage von allen Tauschkreisteilnehmern erheben. Jedoch Vorsicht: Diese Maßnahme kann bei größeren Beträgen zu Unmut bei Neumitgliedern führen, die für Fehler verantwortlich gemacht werden, die sie gar nicht zu vertreten haben. (Maßnahme k) und j) sind hier besser.

Man war sich darüber einig, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, eine Überschuldung zu vermeiden, wenn man nur mal bereit ist, sich darüber ein paar Gedenken zu machen. Es kann hier auch keine generelle Lösungsmöglichkeit für alle Tauschsysteme angeboten werden, denn vieles hängt immer von den besonderen Bedingungen im Tauschsystem ab. Insbesondere auch von der Größe des Tauschsystems, dem jährlichen Umsatz und von dem Vertrauen das die Tauschkreisteilnehmer in ihre Tauschkreisleitung haben. (Siehe hierzu auch Stellungnahme von Jürgen in Anlage 2 im Anhang)

Anmerkung:

Es folgte an dieser Stelle ein weiterer Exkurs über das Thema: „Entlohnung von Orgaleistungen bzw. Tauschkreisleitungsstunden“. Dabei wurden folgende unterschiedlichen Systeme deutlich:

a) Das Orgateam/die Tauschkreisleitung erhält 1:1 ihre Aufwendungen erstattet.

b) Das Orgateam/die Tauschkreisleitung erhält für ihre Aufwendungen den ½-Stundensatz.

c) Max. 10% der Mitgliedsbeiträge dürfen für Leitungstätigkeiten ausgegeben werden.

d) Es gibt eine pauschalen (monatlichen / jährlichen) fixen Satz mit dem alle Leistungen abgeglichen sind.

e) Es gibt einen pauschalen Fix-Betrag für bestimmte Aktionen: z.B. x Talente pro Sitzung, x Talente pro Buchungen, x Talente für Zeitung etc. pp.

Die Teilnehmer waren sich aber darin einig, dass hier eine wesentliche Ursache für die Überschuldung des Tauschsystems bestehen kann und der Entlohnung von Orgaarbeit/Tauschkreisleitung besondere Beachtung gegeben werden muss. Dieses Thema (und die unterschiedlichen Erfahrungen damit) wäre sicher auch mal auf einem BATT im größeren Rahmen zu diskutieren.

Weiterhin waren alle der Meinung, dass Orgaarbeit/Tauschkreisleitung auch ehrenamtliche Tätigkeit ist. Eine 1:1 Entlohnung führt bei kleineren Tauschsystemen unweigerlich in die Überschuldung, da durch Mitgliedsbeiträge allein der Aufwand niemals abgedeckt werden kann.

Nahtlos daran an schloss sich das Thema: Personelle Ausstattung des Orgateams / der Tauschkreisleitungen. Nur einige Wenige sind bereit, sich für eine Leitungsaufgabe zur Verfügung zu stellen. Dabei wird meistens kaum berücksichtigt, dass Orgaarbeit auch zu einer persönliche Qualifikation (kostenlose Weiterbildung) führen kann und manche berufliche Bewerbung, insbesondere im Sozialen Bereich, dadurch aufgewertet werden könnte.

Weitere Maßnahmen sind:

Positive Erfahrungen mit Überschuldung:

Aus dem Tauschring Memmingen wurde berichtet, dass diese in ihrem Gründungszeitraum durchaus positive Erfahrungen mit der Kreditierung gemacht haben. Sie hatten damals ein Investitionskonto eingerichtet, dass allerdings gedeckelt war mit 5 Stunden/Mitglied bzw. 3% vom Jahresumsatz.

Unser weiteres Vorgehen:

Zunächst ist es wichtig, einheitliche Definitionen und Kennzahlen zu verwenden, damit man nicht unter Umständen „Äpfel mit Birnen“ vergleicht. Dazu gehören - neben der generellen Thematik „Wann kann man überhaupt von Überschuldung in einem Tauschsystem sprechen?“ - einheitliche Definitionen zu den Begriffen:

a) Wie definiere ich meine Plus- und Minuskonten?

b) Was sind alles Verwaltungskonten?

c) Wie definiere ich meinen Umsatz?

d) Festlegung der relevanten Kennzahlen.

Dies wird der nächste Punkt sein, den die BATT - aktiv Gruppe bearbeitet. In einem anschließenden, weiteren Schritt sind wir dann auf die Mitarbeit aller Tauschsysteme angewiesen: Wir brauchen von Euch die erforderlichen Daten / Zahlen etc.

Schlussbemerkung:

Die Diskussionen und der Vortrag der Themenbeiträge fanden in einer angenehmen und konstruktiven Arbeitsatmosphäre statt. Wenn durch diese BATT - aktiv Gruppe nur erreicht wird, dass sich die diversen Orga - und Leitungsteams der Tauschsysteme mit dieser Thematik regelmäßig auseinandersetzen, haben wir einen wesentlichen Teil unserer Aufgabenstellung bereits erfüllt.

Anlagen zum Protokoll

Siehe auch

Einzelbelege

  1. Verfasser: Manfred Neumann, Talente-Tausch Region Grafing. Stand des Protokolls ist der 30.1.2013
  2. Birgit Kargl: Überschuldung oder wenn das Verwaltungskonto zu stark ins Minus rutscht. in: Tauschmagazin Nr. 22, April 2010 (Download)
  3. http://obelio.com/de/circulation_management.html (zuletzt abgerufen 2.3.2013)
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